Zutaten > Fettkraut

Das Gewöhnliche Fettkraut (Pinguicula vulgaris) ist eine fleischfressende Pflanze, der bisweilen eine Wirkung als pflanzliches Lab nachgesagt wird. Alle fleischfressenden Pflanzen enthalten selbstverständlich Proteasen, also Eiweiß spaltende Enzyme. Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass sie Kasein nur so weit spalten, dass man Käse machen könnte. Vom Sonnentau (Drosera spec.) ist bekannt, dass er Käse verdauen kann. Nicht schnell, aber im Laufe einiger Tage kann auch das Fettkraut Käse verdauen.
Was aber tatsächlich der Fall ist: Auf dem Fettkraut finden sich Bakterien der Sippe Lactococcus lactis subsp. cremoris. Diese werden für Sauermilchprodukte wie Kefir genutzt und auch in Käsekulturen verwendet. Das heißt aber nicht, dass hier das Fettkraut mit seinen Enzymen eine Rolle spielt.

Die Rørosmeieri, die Molkerei in der norwegischen Stadt Røros („meieri“ ist norwegisch für „Molkerei“), nutzt nach eigenen Angaben das Fettkraut wegen dieser Bakterien für ihre Tjukkmjølk, ein Sauermilchprodukt, das sich nicht in Molke und Festes trennt. Dieses Produkt mit Nutzung des Fettkrautes hat in Norwegen Tradition unter der Bezeichnung Tettemelk (im Bokmål) bzw. Tettemjølk (im Nynorsk; vgl. die Erläuterungen zu Norwegen). Der norwegische Name des Fettkrauts ist „tettegress“. Der Name Tjukkmjølk ist eine geschützte geografische Angabe.
Dass das Fettkraut früher auch in Island zur Bereitung von Skyr verwendet wurde, ist eine unbestätigte Vermutung. Die Idee ist nicht ganz abwegig, da das Gewöhnliche Fettkraut in ganz Island vorkommt.
